Wie wird PriSecco gemacht? Der Streuobst-Weg der Manufaktur Jörg Geiger
PriSecco sieht aus wie Sekt, wird aber nie vergoren. Wie aus Streuobst, hauseigenen Kräuterauszügen und Kohlensäure eine Cuvée entsteht — und was sie von entalkoholisiertem Sekt unterscheidet.
PriSecco ist eines der bekanntesten alkoholfreien Premium-Getränke im deutschsprachigen Raum — und eines der am häufigsten missverstandenen. Es steht in der Sektflasche, hat Korken und Drahtkorb und perlt im Glas. Trotzdem ist die Herstellung eine völlig andere als beim Sekt.
Wir erklären, was hinter dem Getränk der Manufaktur Jörg Geiger aus dem schwäbischen Schlat steckt — und wie es sich von alkoholfreiem Sekt, Saft und Schorle abgrenzt.
Was ist PriSecco?
Die kürzeste richtige Beschreibung: eine Cuvée aus Streuobst-Saft, Kräuterauszügen und Kohlensäure. Daraus folgen zwei Dinge, die oft falsch dargestellt werden:
- PriSecco wird nicht vergoren. Anders als bei Sekt, Wein oder Champagner findet keine alkoholische Gärung statt.
- PriSecco wird nicht entalkoholisiert. Es ist also auch kein Vakuumdestillat und kein „entalkoholisierter Sekt" — weil nie Alkohol drin war, der entzogen werden müsste.
Genau darin liegt der Unterschied zu praktisch allen anderen alkoholfreien Schaumweinen im Regal.
Wie wird PriSecco hergestellt? Schritt für Schritt
1. Streuobst
Die Basis ist Streuobst von der Schwäbischen Alb. Streuobst heißt: Hochstamm-Obstbäume, weit gestreut auf Wiesen statt dicht in Plantagen — oft alte Sorten wie Schwäbische Mostbirne, Champagner-Bratbirne oder Boskoop-Apfel. Die Manufaktur arbeitet dafür mit Bauern und Streuobst-Initiativen der Region zusammen.
Das ist nicht nur Herkunftserzählung, sondern Voraussetzung: Plantagenobst liefert nicht die Aroma-Vielfalt und die Gerbstoffe, die diese Cuvées tragen.
2. Saftgewinnung
Die Früchte werden gepresst — Birnen, Äpfel, Quitten — und ergeben sortenreine Direktsäfte. Diese Säfte sind die Cuvée-Bausteine, vergleichbar den Grundweinen beim Sektbau.
3. Kräuter- und Pflanzenauszüge
Hier liegt der Schritt, der PriSecco vom besseren Saft abhebt. Je nach Cuvée kommen ausgewählte Pflanzenauszüge dazu — etwa Hopfen, Wermutkraut, Bittermandel oder Holunderblüte. Sie bringen die weinwürzige Tiefe, an der man einen PriSecco beim ersten Schluck erkennt.
Die Auszüge stellt die Manufaktur selbst her, durch behutsame Extraktion ohne starke Hitzeeinwirkung. Auch das ist Manufakturarbeit im Wörtlichen.
4. Cuvée-Komposition
Saft und Pflanzenauszüge werden zur Cuvée zusammengeführt — ähnlich wie ein Kellermeister aus Grundweinen die finale Sekt-Cuvée mischt. Hier entscheidet sich der Charakter der Sorte: Weißduftig ist heller und floraler, Rotfruchtig arbeitet mit Steinobst, die nummerierten Cuvées nehmen unterschiedlich viel Kräuterbittere mit.
5. Karbonisierung
Die Kohlensäure wird zugeführt, statt durch eine zweite Gärung zu entstehen. Das ist der technische Punkt, an dem sich PriSecco vom Sekt trennt: Beim klassischen Sekt entsteht die Perlage durch Hefegärung in der Flasche, beim PriSecco durch direkte CO₂-Zugabe. Im Glas fällt das kaum auf, weil die Cuvée selbst die Tiefe trägt.
6. Abfüllung
Abgefüllt wird in Sektflaschen mit Korken und Drahtkorb. Eine Reifelagerung wie beim Sekt findet nicht statt — PriSecco ist zum relativ frischen Trinken gedacht, nicht zum Einlagern.
Warum heißt nicht jede Sorte „PriSecco"?
Auf den Flaschen der Manufaktur finden Sie unterschiedliche Bezeichnungen. Der Grund ist markenrechtlich: Den geschützten Namen PriSecco tragen heute nur noch die drei Klassiker Weißduftig, Rotfruchtig und Rosenzauber. Die übrigen Sorten der Linie führen den Begriff aus ihrer Markentradition weiter.
Praktisch heißt das: Ein „Prisecco Cuvée Nr. 23" und ein „PriSecco Weißduftig" stammen aus derselben Manufaktur und demselben Verfahren — die Namensform sagt nichts über die Qualität, sondern nur über die markenrechtliche Lage.
Die anderen Geiger-Linien — und wie sie sich unterscheiden
Die Manufaktur führt mehrere Linien nebeneinander, die unterschiedlich hergestellt werden. Das ist wichtig, weil sie im Regal nebeneinanderstehen:
- PriSecco — Streuobst-Cuvée mit Kräuterauszügen, nie vergoren. Sorten wie Weißduftig, Rotfruchtig, Rosenzauber, Apfelsinfonie, Sommerbirne, Mirabellengold, dazu die nummerierten Cuvées.
- ViSecco — entalkoholisierter Wein-Schaumwein in Sauvignon Blanc und Pinot Meunier. Hier war Alkohol drin und wurde entzogen.
- Teasecco — eine Cuvée auf Tee-Basis, in Weiß und Rosé. Die Geiger-Antwort auf Sparkling Tea; mehr dazu in Sparkling Tea erklärt.
- Die Grad-Linie — 32° Riesling, 33° Pinot Meunier, 35° Sauvignon Blanc, 36° Grenache, 37° Pinot Noir. Entalkoholisierte Weine aus echtem Wein; die Gradzahl nennt die Temperatur, bei der entalkoholisiert wird — unter Vakuum verdampft der Alkohol bereits bei gut 30 °C, und jede Rebsorte bekommt die Temperatur, die ihre Aromatik am besten übersteht. Daneben steht die Edition Lamothe als eigene alkoholfreie Cuvée — ein separates Produkt, nicht der Sammelname der Grad-Linie.
- Bitter-Linie — Limalfi Aperitivo Italiano, Dzin Bitter, Aecht Bitter und Aecht Kimmel: alkoholfreie Aperitifs mit deutlicher Kräuterbittere.
- Cider — den Wiesenobst Cider gibt es sowohl klassisch vergärt als auch alkoholfrei. Beim Kauf aufs Etikett achten.
Den vollen Geiger-Kosmos finden Sie auf der Hersteller-Seite.
Wie schmeckt PriSecco?
Drei Komponenten machen das Erlebnis aus:
- Streuobst-Komplexität. Alte Birnen- und Apfelsorten bringen eine leichte Gerbstoffnote, deutliche Säure und natürliche Süße mit — Aromen, die ein Plantagenobst-Saft nicht hat.
- Kräutertiefe. Die hauseigenen Pflanzenauszüge geben Bittere und Würze, die an klassische Wermut-Cuvées erinnern. Sie sind verantwortlich für das weinwürzige Mundgefühl.
- Perlage. Gut gekühlt im hohen Glas entsteht die typische Schaumwein-Optik — was PriSecco in jeder festlichen Runde aperitif-tauglich macht.
Wie serviert man PriSecco richtig?
- Gut gekühlt bei 6–8 °C — mindestens zwei Stunden vorher in den Kühlschrank.
- In ein hohes Sektglas, Flöte oder Tulpe, nicht in eine flache Coupe — die Perlage soll erhalten bleiben.
- Beim Einschenken die Flasche schräg halten und langsam an der Glaswand entlanggießen.
- Nicht zu lange offen stehen lassen — die Perlage lässt schnell nach.
Häufige Fragen
Wie wird PriSecco gemacht?
Streuobst von der Schwäbischen Alb wird gepresst, die sortenreinen Direktsäfte werden zu einer Cuvée verschnitten, mit hauseigenen Kräuterauszügen verfeinert und mit Kohlensäure versetzt. Es findet weder eine Gärung noch ein nachträglicher Alkoholentzug statt.
Ist PriSecco alkoholfrei?
Ja. Da nicht vergoren wird, entsteht kein Alkohol, der entzogen werden müsste. Die Produkte sind als alkoholfrei ausgewiesen — den genauen Wert nennt das jeweilige Etikett.
Was ist der Unterschied zwischen PriSecco und alkoholfreiem Sekt?
Alkoholfreier Sekt war einmal Sekt: vergoren und anschließend entalkoholisiert. PriSecco war nie Wein — er entsteht aus Streuobst-Saft, Kräuterauszügen und Kohlensäure. Beide perlen, aber das Aromenfundament ist grundsätzlich verschieden.
Warum ist PriSecco teurer als Saft?
Drei Gründe: Streuobst aus alten Sorten ist im Bezug deutlich teurer als Plantagenobst, die hauseigenen Pflanzenauszüge bedeuten Manufakturaufwand, und die Sektflasche mit Korken und Drahtkorb kostet ähnlich viel wie bei alkoholhaltigem Schaumwein.
Welche PriSecco-Sorte eignet sich als Einstieg?
Weißduftig ist die zugänglichste Sorte — fruchtig-floral und zu fast allem passend. Rotfruchtig ist die zweite gute Wahl für alle, die Tiefe und Kräuternoten suchen. Wer es bitter mag, probiert Aecht Bitter.
Wie lange ist eine offene Flasche haltbar?
Mit Sektverschluss im Kühlschrank ein bis zwei Tage — die Perlage lässt aber merklich nach. Frisch geöffnet servieren ist deutlich besser, weshalb sich PriSecco vor allem für Runden mit mehreren Gästen eignet.
Passt PriSecco zum Essen?
Ja. Die kräuterwürzige Linie macht ihn zu einem guten Aperitif und zur Begleitung von Vorspeisen, Fischgängen und leichten Hauptspeisen. Rotfruchtig funktioniert auch zu kräftigeren Gängen.
Was Sie aus dem Sortiment kennenlernen sollten
- Einstieg: Prisecco Weißduftig.
- Für Weinliebhaber: Prisecco Rotfruchtig oder die Grad-Linie mit 35° Sauvignon Blanc.
- Für die Spezialitätenrunde: Champagner Bratbirne oder eine der nummerierten Cuvées.
- Zum Vergleich: die gesamte Auswahl alkoholfreier Sekt & Schaumwein.
- Die Saftseite der Manufaktur: in den Säften und Nektaren.
Wenn Sie den anderen Weg zum alkoholfreien Schaumwein verstehen möchten — den über echten Wein und Entalkoholisierung — lesen Sie Alkoholfreier Wein: Wie er hergestellt wird.